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Jean Alfred Villain-Marais (* 11. Dezember 1913 in Cherbourg, Département Manche; † 8. November 1998 in Cannes, Département Alpes-Maritimes) war ein französischer Schauspieler und Bildhauer. Unter der Regie seines Lebensgefährten Jean Cocteau spielte er in Filmklassikern wie Es war einmal (1946) und Orpheus (1949). Große Popularität erlangte er in den 1960er Jahren durch seine Hauptrolle in der dreiteiligen Fantomas-Filmreihe und die damals beliebten Mantel-und-Degen-Filme.
Leben
Jean Marais war fünf Jahre alt, als seine Eltern sich trennten. Gemeinsam mit seinem Bruder Henri wurde er von seiner Mutter, seiner Tante und seiner Großmutter in einem großen Haus in Le Vésinet bei Paris (Boulevard de Belgique No. 60, heute No. 90) aufgezogen. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für das Zeichnen und das Theaterspielen. Als turbulenter Schüler wurde er des Gymnasiums verwiesen.
Seine berufliche Laufbahn begann er als Fotoretuscheur und Caddie auf einem Golfplatz, die künstlerische Karriere durch die Teilnahme am Salon des Indépendants. Der Filmregisseur und -produzent Marcel L’Herbier sorgte dafür, dass er erstmals als Statist in einem Film mitwirken konnte, versagte ihm jedoch bedeutendere Rollen. Nachdem Marais bei der Aufnahmeprüfung des Konservatoriums gescheitert war, besuchte er die Schauspielkurse von Charles Dullin und bezahlte diese durch seine Tätigkeit als Statist in Dullins Theater.
Im Jahr 1937 fand die erste Begegnung mit dem knapp 25 Jahre älteren Jean Cocteau statt, seinem späteren Mentor und Lebensgefährten, die die große Wende in Marais’ Karriere herbeiführte und eine ebenso lange wie kreative Freundschaft und Zusammenarbeit einleitete. Marais spielte Malcolm in Macbeth und wurde von Cocteau für die Erstaufführung von Les Chevaliers de la table ronde (Die Ritter der Tafelrunde) und Les Parents terribles (Die schrecklichen Eltern) engagiert. Die geplante Verfilmung der Schrecklichen Eltern kam infolge der Mobilmachung zunächst nicht zustande.
Der endgültige Durchbruch gelang Marais durch seine Rollen in Jacques de Baroncellis Film Le Pavillon brûle (1941) und der Tristan-und-Isolde-Adaption Der ewige Bann (1943) von Regisseur Jean Delannoy, zu der Jean Cocteau das Drehbuch beisteuerte. Es folgten weitere bedeutende Filme, darunter Es war einmal (auch bekannt als Die Schöne und die Bestie, 1946), Der Doppeladler (1947) Die schrecklichen Eltern (1949) oder Orpheus (1949).
Nachdem er in diesen künstlerisch ambitionierten Filmen bekannt geworden war, trat Marais ab den 1950er Jahren verstärkt in kommerziell ausgerichteten Produktionen auf, in denen er häufig in Liebhaber- und Abenteuerrollen zu sehen war. Sein athletisches Auftreten und sein gutes Aussehen prädestinierten ihn für Mantel-und-Degen-Filme wie Der Graf von Monte Christo (1954), Des Königs bester Mann (1958), Ritter der Nacht (1959), Mein Schwert für den König (1960), Fracass, der freche Kavalier (1961), Die eiserne Maske (1962) und Der Graf mit der eisernen Faust (1962). In diesem Rollenfach galt er jahrelang als idealtypischer Hauptdarsteller. Noch 1973 spielte er im Fernsehmehrteiler Cagliostro mit 60 Jahren eine Mantel-und-Degen-Rolle.
Marais trat außerdem in Liebesfilmen wie Rendezvous in Paris (1950), Geliebte um Mitternacht (1953) oder Weiße Margeriten (1956) auf und spielte regelmäßig in Historienfilmen wie Ruy Blas, der Geliebte der Königin (1948), Das Geheimnis von Mayerling (1949), Versailles – Könige und Frauen (1954), Napoleon (1955), Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone (1960), Kaiserliche Hoheit (1961) und Der Raub der Sabinerinnen (1961). Im Jahr 1960 trat er in Das Testament des Orpheus ein letztes Mal unter der Regie von Jean Cocteau auf, der 1963 starb.
In den drei zwischen 1964 und 1967 uraufgeführten Fantomas-Filmen hatte Marais eine Doppelrolle und spielte, oft unter aufwendigen Masken kaum erkennbar, den Journalisten Fandor und den titelgebenden Superverbrecher Fantomas. Diese aufwendig produzierten Krimikomödien, die sich am Erfolgsrezept der James-Bond-Filme orientierten, wurden allerdings stark von Louis de Funès dominiert, der in der Rolle des Kommissars Juve zur Erheiterung beitrug. Nachdem seine Filmkarriere in den späten 1960er Jahren langsam ausgelaufen war, trat Marais ab den 1970er Jahren in Fernsehfilmen auf.
Jean Marais war dafür bekannt, auch schwierige Stunts selbst auszuführen. In Fantomas steigt er beispielsweise von einem Kranausleger auf eine Strickleiter, die an einem Helikopter hängt, und fliegt davon (dieser Stunt wurde später in anderen Filmen oft von Jean-Paul Belmondo variiert). In Cagliostro erkletterte er im Alter von 60 Jahren eine hohe Burgmauer.
Marais feierte bis ins hohe Alter Erfolge am Theater, doch wandte er sich am Ende seines Lebens verstärkt der Bildhauerei zu. Er schuf unter anderem das Modell für die Bronzefigur Le Passe-Muraille („Der Mann, der durch die Wand ging“), die am Montmartre in Paris an dem Platz zu sehen ist, der nach Marcel Aymé, dem Autor der gleichnamigen Novelle, benannt ist. Seine letzte Filmrolle übernahm Marais im Jahr 1996 in Gefühl und Verführung von Bernardo Bertolucci.
Neben seiner nahezu lebenslangen Beziehung mit Jean Cocteau war Marais von 1944 bis 1946 mit der Schauspielerin Mila Parély verheiratet. Jean Marais starb am 8. November 1998 im Alter von 84 Jahren in Cannes an einer Lungenentzündung und wurde in Vallauris (Alpes-Maritimes) beigesetzt.
Theater (Auswahl)
- Macbeth von William Shakespeare
- Les Chevaliers de la table ronde von Jean Cocteau
- Les Parents terribles von Jean Cocteau
Filmografie
Auszeichnungen
- 1954, 1955, 1956: Bambi in der Kategorie Internationaler Schauspieler (nominiert auch 1948, 1950, 1958, 1960)
- 1993: César d’honneur für sein Lebenswerk
Veröffentlichungen
- Histoire de ma vie. Albin Michel, Paris 1975, Neuauflage 1998.
- Spiegel meiner Erinnerung. Kindler, München 1975, div. Neuauflagen bis 2005 (Heyne).
Weblinks
- Literatur von und über Jean Marais im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Jean Marais bei IMDb
- Jean Marais in der Deutschen Synchronkartei
- Jean Marais in der Datenbank Find a GraveVorlage:Findagrave/Wartung/Gleiche Kenner im Quelltext und in Wikidata
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