Der Gedenk- und Informationsort T4 befindet sich dort, wo das Dritte Reich in Berlin die “Euthanasie”-Morde plant. Eine blaue Glaswand erinnert an die Opfer. Am Rande des Berliner Tiergartens erinnert der Gedenk- und Informationsort an die T4-Aktion der Nationalsozialisten.. Dieses Informations und Gedenkportal wurde geschaffen, um die Entstehung des Gedenk- und Informationsortes für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde an der Berliner Tiergartenstraße 4 zu begleiten. Von Beginn an haben wir mit Angehörigen und Initiativen zusammen gearbeitet.
Tiergartenstraße 4 (mit dem Tarnkürzel T4) ist eine Adresse an der Tiergartenstraße im Berliner Stadtteil Tiergarten am Südrand des Großen Tiergartens nahe dem Potsdamer Platz in unmittelbarer Nähe der von Hans Scharoun erbauten und 1963 eingeweihten Berliner Philharmonie (Herbert-von-Karajan-Straße 1) und des Musikinstrumentenmuseums (Tiergartenstraße 1).
Geschichte
Ein Gebäude mit der Adresse Tiergartenstraße 4 existiert heute nicht mehr. Auf dem Grundstück dieser Adresse, seinerzeit eine der feinsten Wohngegenden Berlins, befand sich früher eine spätklassizistische Villa. Das Grundstück wurde ursprünglich von dem jüdischen Textilindustriellen Georg Liebermann (1844–1926) erworben und das Gebäude ging später in den Besitz von Eva Köbener und Hans Liebermann (1876–1938) über. Das Antiquariat des Berliner Kunsthändlers Paul Graupe (1881–1953) befand sich unter dieser Adresse, ebenfalls das Buch- und Kunstantiquariat Hermann Ball, die gemeinsam Auktionen durchführten. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde das Gebäude „quasi beschlagnahmt“.
In der Stadtvilla befand sich seit Frühjahr 1940 die Planungs- und Verwaltungsbehörde für die unter dem Tarnnamen Aktion T4 bekannten „Euthanasie“-Morde – die Ermordung kranker und geistig behinderter Menschen. Sowohl die geheime „Zentraldienststelle“ („Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“) als auch das Mordprogramm selbst wurden unter dem Kürzel T4 nach dieser Adresse benannt. Das Mordprogramm richtete sich „gegen psychisch Erkrankte, geistig und körperlich Behinderte sowie ,rassisch‘ und sozial Unerwünschte.“ Es wurde darauf hingewiesen, dass viele der an diesen Verbrechen Beteiligten auch beim Massenmord an Juden, Sinti und Roma in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibór und Treblinka eingesetzt waren: „Sie blieben dabei Mitarbeiter der ‚T4‘-Zentrale.“
Das Gebäude wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt und später in den 1950er Jahren abgerissen.
Im Jahr 1989 wurde eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen mit dem folgenden von Götz Aly und Klaus Hartung entworfenen Text:
In der Tiergartenstraße befindet sich an diesem Platz heute die Endhaltestelle mehrerer Buslinien.
Gedenkstätte
Seit dem 2. September 2014 befindet sich auf dem Grundstück (nördlich des Kultur-Forums) ein Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde.
Sonstiges
Christoph Klimke schrieb ein 2008 uraufgeführtes Theaterstück Tiergartenstraße 4. Unter dem Titel T 4. Ophelias Garten erschien 2016 ein Drama in zwei Akten von Pietro Floridia.
Siehe auch
- Viktor Brack
- Werner Heyde
- Christian Wirth
- Aktion Reinhardt
Literatur
- Götz Aly (Hrsg.): Aktion T 4. 1939–1945. Die ‘Euthanasie’-Zentrale in der Tiergartenstraße 4. (= Stätten der Geschichte Berlins, Bd. 26). Edition Hentrich, Berlin. 2. erw. Aufl., 1989, ISBN 3-926175-66-4.
- Stefanie Endlich, Sigrid Falkenstein, Helga Lieser, Ralf Sroka (Hrsg.): Tiergartenstraße 4 : Geschichte eines schwierigen Ortes. Metropol Verlag 2014, ISBN 978-3-86331-165-0 (Verlagslink).
- Annette Hinz-Wessels: Tiergartenstraße 4 : Schaltzentrale der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde. Christoph Links Verlag 2015, ISBN 978-3-86153-848-6 (Verlagslink, Online-Teilansicht).
- Raimond Reiter: Opfer der NS-Psychiatrie. Tectum Verlag 2007, ISBN 978-3-8288-9312-2.
- Tiergartenstraße 4 : Gedenk-Ort und Informations-Ort für die Opfer der national-sozialistischen »Euthanasie«-Morde. Heft in Leichter Sprache 2014, ISBN 978-3-942240-15-4. (Verlagslink)
- Tiergartenstrasse 4. Memorial and Information Point for the Victims of National Socialist Euthanasia Killings. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 2016, ISBN 978-3-942240-19-2.
- Klaus Vellguth: Aktion T 4 – Mord mit System. Verlagsgem. Topos 2014, ISBN 978-3-8367-0870-8.
Weblinks
- Gedenkort T4
- Erinnerung im Stadtraum (Gedenkort T4) (Stefanie Endlich)
- Virtuelle Ausstellung des Historikers und Journalisten Götz Aly, die seinerzeit zur Einweihung der Gedenkplatte an der Philharmonie gezeigt wurde.
- Tiergartenstrasse 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes – t4-ausstellung.de
- Die Geschichte der Villa an der Tiergartenstraße 4 (Matthias Liebermann)
- „Aktion T4“ – Tiergartenstraße 4 (Sigrid Falkenstein)
- tiergartenstrasse4.org
Einzelnachweise und Anmerkungen
Gedenk und Informationsort Tiergartenstraße 4 Berlin rolandpoppensieker
Gedenkort T4, Tiergartenstrasse 4, Tiergarten, Mitte, Berlin
Aktion T4 Wikiwand
Gedenkort T4 Berlin Scheel Wetzel Architekten
Tiergarten4Association e.V. , Berlin, Initiative, Verein Gedenkort T4
Tiergartenstrasse 4 in Berlin Nazi euthanasia program
Memorial and information site for the victims of the National Socialist
Tiergartenstraße 4 (Gedenk und Informationsort für die Opfer der
Gedenkort T4, Tiergartenstrasse 4, Tiergarten, Mitte, Berlin
Aktion T4 Tiergartenstrasse 4, Berlin, Germany LandmarkScout
Aktion T4 Wikipedia
Tiergartenstrasse 4 in Berlin Nazi euthanasia program
T4Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2023 Parität Berlin
Tiergartenstrasse 4 in Berlin Nazi euthanasia program
Gedenkort T4, Tiergartenstrasse 4, Tiergarten, Mitte, Berlin
Gedenk und Informationsort Tiergartenstraße 4 Berlin rolandpoppensieker
Memorial T4, memorial and information site for the victims of the
Gedenkort T4, Tiergartenstrasse 4, Tiergarten, Mitte, Berlin
Tiergartenstraße 4 (Gedenk und Informationsort für die Opfer der
GEDENKORT AKTION T4 EUTHANASIE IM 3. REICH Updated August 2024 48
Die Open-Air-Ausstellung mit dem Titel »Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes« verknüpft die bürokratische Organisation der NS-Krankenmorde mit dem Schicksal von Anna Lehnkering.. An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste nationalsozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse Aktion T4. Von 1939 bis 1945 wurden fast 200.000 wehrlose Menschen umgebracht.